{"id":1345,"date":"2016-06-26T10:45:30","date_gmt":"2016-06-26T09:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.derwegderwoelfe.de\/?p=1345"},"modified":"2017-10-10T06:34:00","modified_gmt":"2017-10-10T05:34:00","slug":"wolfskolumne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.derwegderwoelfe.de\/?p=1345","title":{"rendered":"Wolfskolumne"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: right;\">Meine Kommentare zu Aussagen und Behauptungen \u00fcber W\u00f6lfe<\/h3>\n<h3>Behauptung: <span style=\"color: #ff6600;\"><em>W\u00f6lfe, die wiederholt gesch\u00fctzte Schafe angegriffen haben, haben sich auf Schafe spezialisiert?<\/em><\/span><\/h3>\n<p>Falsch! Diese W\u00f6lfe haben lediglich gelernt den bestehenden Schutz zu umgehen.<\/p>\n<p>Die Spezialisierung auf eine bestimmte Wildtierart bedeutet, dass diese Nahrungsquelle fast ausschlie\u00dflich oder zumindest \u00fcberwiegend genutzt wird. Wildtiere, auch W\u00f6lfe, nutzten die Nahrungsquellen am h\u00e4ufigsten die am leichtesten zu erreichen sind und entsprechend h\u00e4ufig vorkommen. Die am h\u00e4ufigsten genutzte Nahrungsquelle der W\u00f6lfe in Deutschland sind Rehe, gefolgt vom Rotwild und Wildschwein. Im Vergleich dazu werden Schafe nur selten genutzt. Trotzdem ist nat\u00fcrlich jedes vom Wolf gerissene Schafe ein \u00c4rgernis, Verlust und Belastung f\u00fcr den Sch\u00e4fer.<\/p>\n<p>Wenn ein Wolf, oder ein Wolfsrudel, gelegentlich Schafe erwischt, ist das kein Anzeichen f\u00fcr eine Spezialisierung. Das w\u00e4re erst der Fall, wenn die Nahrungsquelle Schaf \u00f6fter genutzt wird als Rehe oder andere Wildtierarten. Das w\u00e4re aber auch ein klares Anzeichen f\u00fcr einen v\u00f6llig unzureichenden Schutz der Schafe. Eine\u00a0 Herdenschutzma\u00dfnahme die von den W\u00f6lfen \u00fcberlistet wird, kann auch ein Hinweis f\u00fcr die Raffinesse, Intelligenz oder Risikobereitschaft der W\u00f6lfe gewertet werden. Die Frage ist dann, wieder wie wir Menschen mit cleveren Wildtieren umgehen.<\/p>\n<h3><strong>Behauptung:<\/strong> <span style=\"color: #ff6600;\"><em>Deutschland ist nicht f\u00fcr W\u00f6lfe geeignet als Lebensraum!<\/em><\/span><\/h3>\n<p><strong>Antwort:<\/strong> Falsch! Wenn dem so w\u00e4re, w\u00fcrden sich W\u00f6lfe nicht eigenst\u00e4ndig in Deutschland ausbreiten k\u00f6nnen. Es gibt auch keine wissenschaftlichen Studien oder Erfahrungswerte die eine solche Behauptung untermauern w\u00fcrden. Deutschland ist ein Lebensraum mit unterschiedlichen Strukturen. Solche die den W\u00f6lfen zusagen werden, andere die f\u00fcr W\u00f6lfe schwieriger sind. Aus fachlicher Sicht bietet Deutschland gro\u00dffl\u00e4chig viele ausreichend gute Lebensr\u00e4ume und Grundlagen f\u00fcr Wolfsrudel. In den K\u00f6pfen vieler Menschen ist der Lebensraum f\u00fcr W\u00f6lfe allerdings nicht ausreichend vorhanden. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es verschiedene Konflikte f\u00fcr beide Seiten.<\/p>\n<h3><strong>Behauptung:<\/strong> <span style=\"color: #ff6600;\"><em>W\u00f6lfe sind scheue Wildtiere!<\/em><\/span><\/h3>\n<p><strong>Antwort: <\/strong>Ja und Nein! Es kommt drauf an was man darunter versteht.<\/p>\n<p>Wenn man damit meint, dass W\u00f6lfe eine gro\u00dfe Fluchtdistanz haben und fliehen sobald sie Menschen sehen oder wahrnehmen stimme ich dem so nicht zu. Das halte ich f\u00fcr zu pauschal. Wenn man darunter versteht, dass W\u00f6lfe weder zahm noch zutraulich sind, sondern vorsichtig und zur\u00fcckhaltend mitunter \u00e4ngstlich sind, stimme ich dem zu. Die tats\u00e4chliche Fluchtdistanz oder Reaktion auf Begegnungen mit Menschen ist von vielen Faktoren abh\u00e4ngig. Typische Fluchttiere wie Rehe sind W\u00f6lfe nicht. Ich stelle mir dabei die Frage, ob es \u00fcberhaupt relevant ist ob man W\u00f6lfe nun als scheue Wildtiere bezeichnet. Viel wichtiger erscheint mir wie sich W\u00f6lfe uns Menschen und wir Menschen uns den W\u00f6lfen gegen\u00fcber verhalten. W\u00f6lfe sollten in jedem Fall nicht zutraulich sein oder werden.<\/p>\n<h3><strong>Zahlenspiel: <span style=\"color: #ff6600;\">W\u00f6lfe und Schafe in Sachsen!<\/span><\/strong><\/h3>\n<p>In Sachsen gab es 2015 knapp 69300 Schafe laut Statistik. 2016 wurden ungef\u00e4hr 250 Schafe und Ziegen von W\u00f6lfen in Sachsen get\u00f6tet, verletzt oder sind verschwunden sind. Also etwa 0,35% Verlust im Schafbestand von Sachsen durch W\u00f6lfe. Etwa 1\/3 von Sachsen kann man derzeit als Wolfsregion bezeichnen. Bei gleichm\u00e4\u00dfiger Schafverteilung w\u00e4ren es etwa 23100 Schafe in den Wolfsregionen. Dann w\u00e4re es ein Verlust von etwa 1,1% des Schafbestands durch W\u00f6lfe. Die meisten Sch\u00e4fer haben scheinbar nur den empfohlenen Minimalschutz umgesetzt.<\/p>\n<p>Optimierungsbedarf in der Umsetzung der Schutzma\u00dfnahmen besteht durchaus.Leider konnte ich keine Statistik \u00fcber anderen Mortalit\u00e4tsfaktoren bei der Schafhaltung finden.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens wurden 2015 etwa 18400 Schafe geschlachtet, also \u00fcber 26,5% des Schafbestands. Umgerechnet werden in jedem Wolfsrevier mit 250km\u00b2 laut Jagdstatistik \u00fcber 1000-1300 Rehe geschossen (und nat\u00fcrlich noch viele andere potentielle Beutetiere der W\u00f6lfe).<\/p>\n<h3><strong>Behauptung:<\/strong> <em><span style=\"color: #ff6600;\">W\u00f6lfe verteidigen ihr Revier und k\u00f6nnen deswegen auch Menschen angreifen, wenn man ein Wolfsrevier betritt.<\/span> <\/em><\/h3>\n<p><strong>Antwort:<\/strong> Falsch! W\u00f6lfe verteidigen ihr Revier gegen andere Artgenossen. Menschen geh\u00f6ren nicht dazu. In Gebieten mit einer Wolfspopulation leben im Prinzip alle Menschen auch im Wolfsrevier, sobald man das Haus verl\u00e4sst. Das st\u00f6rt die W\u00f6lfe nicht weiter, wohl aber einige Leute. W\u00f6lfe teilen den gemeinsamen Lebensraum, trotz der Gefahr durch Menschen.<\/p>\n<h3><strong>Behauptung:<\/strong> <span style=\"color: #ff6600;\"><em>W\u00f6lfe m\u00fcssen bejagt werden, damit sie nicht in die Siedlungen kommen und seltener Nutztiere angreifen!<\/em><\/span><\/h3>\n<p><strong>Antwort:<\/strong> Falsch! Viele Wildtiere die bejagt werden findet man auch in D\u00f6rfern und St\u00e4dten. In meinen Forschungsgebieten wurden W\u00f6lfe legal und illegal bejagt. Trotzdem konnte ich alle von mir erforschten Wolfsrudel auch in den Siedlungsbereichen finden. Einige W\u00f6lfe oft, andere nur selten. Hauptgrund waren nutzbare Nahrungsquellen. Trotz des Jagddrucks und der Herdenschutzma\u00dfnahmen haben die W\u00f6lfe auch versucht Nutztiere, insbesondere Schafe und Ziegen zu erbeuten, zus\u00e4tzlich zu den Wildtieren. Die Erfolgsquote beim Zugriff auf Nutztiere war immer direkt von der Qualit\u00e4t der angewandten Herdenschutzma\u00dfnahmen abh\u00e4ngig.<\/p>\n<h3><strong>Behauptung:<\/strong> <span style=\"color: #ff6600;\"><em>W\u00f6lfe sind scheu und meiden Menschen und Siedlungen!<\/em><\/span><\/h3>\n<p><strong>Antwort:<\/strong> Falsch! Wie andere Wildtiere auch, k\u00f6nnen W\u00f6lfe die Siedlungsbereiche durchstreifen. Zwei Hauptgr\u00fcnde: a) Nahrung im Siedlungsbereich b) Abk\u00fcrzung um schneller auf die andere Seite zu gelangen. Alle W\u00f6lfe in Deutschland sind Menschen gew\u00f6hnt. W\u00f6lfe sind vorsichtig, zur\u00fcckhaltend und nicht zutraulich, aber neugierig. Die Neugier kann ebenfalls ein Grund daf\u00fcr sein, am ehesten bei Jungen W\u00f6lfen.<\/p>\n<h3><strong>Behauptung von Bauernverb\u00e4nde:<\/strong> <span style=\"color: #ff6600;\"><em>Mit W\u00f6lfen ist eine Weidetierhaltung nicht mehr m\u00f6glich. <\/em><\/span><\/h3>\n<p><strong>Antwort:<\/strong> Sehr polemisch und falsch! In allen europ\u00e4ischen Regionen mit etablierter Wolfpopulation wird schon immer eine Weidetierhaltung praktiziert. Aber nicht konfliktfrei und die Systeme der Weidetierhaltung sind insgesamt angepasst. In neuen und zuk\u00fcnftigen Wolfsgebieten m\u00fcssen die Systeme der Weidetierhaltung angepasst werden, damit der Schutz der Weidetiere effizienter arbeiten kann. Ebenso m\u00fcssen die innerbetrieblichen Abl\u00e4ufe \u00fcberpr\u00fcft und angepasst werden.<\/p>\n<p><strong>Richtig: <\/strong>Weidetierhaltung in Wolfsregionen ist schwieriger, teurer der zu betreibende Aufwand ist gr\u00f6\u00dfer als ohne W\u00f6lfe und eine absolute Sicherheit der Weidetiere ist mit den heutigen Schutzma\u00dfnahmen nicht realistisch.<\/p>\n<h3><strong>Presse:<\/strong> <span style=\"color: #ff6600;\"><em>Badischer Bauern- und Sch\u00e4ferverband fordert ein wolfsfreies Baden-W\u00fcrttemberg!<\/em><\/span><\/h3>\n<p><strong>Antwort:<\/strong> Unrealistisch! Fordern kann man viel. Eine solche Forderung ist im Klartext eine Aufforderung zu einem Dauerausrottungskrieg gegen eine Wildtierart. Rechtlich sind solche Forderungen nicht umsetzbar. In unserer heutigen Gesellschaft wohl auch kaum realisierbar. Hoffe ich wenigstens. Das Paradoxe an der Forderung ist, dass auch diese Verb\u00e4nde genau wissen, dass die W\u00f6lfe auf jeden Fall \u00fcber kurz oder lang Baden-W\u00fcrttemberg besiedeln werden und die Tierhalter sich mit dem Wolf arrangieren werden m\u00fcssen. Egal ob es gef\u00e4llt oder nicht. Ich pers\u00f6nlich glaube sogar, dass eine solche Extremforderungen zu einem erheblichen Imageschaden f\u00fchren wird. Insbesondere f\u00fcr die Sch\u00e4fer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Kommentare zu Aussagen und Behauptungen \u00fcber W\u00f6lfe Behauptung: W\u00f6lfe, die wiederholt gesch\u00fctzte Schafe angegriffen haben, haben sich auf Schafe spezialisiert? Falsch! Diese W\u00f6lfe haben lediglich gelernt den bestehenden Schutz zu umgehen. 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